Klimawandelbedingte Migration/Klimamigration
Unter dem Begriff klimawandelbedingte Migration (kurz: Klimamigration) wird ein breites Spektrum unterschiedlicher Wanderungsformen und -muster in den Blick genommen, von denen man annimmt, dass Umweltveränderungen infolge des menschengemachten Klimawandels hierfür eine maßgebliche Rolle spielen. Eine gemeinsame Definition und Terminologie gibt es weder in der Wissenschaft noch in der Politik. Ebenfalls häufig ist die Rede von klimawandelbedingter Vertreibung oder speziell in jüngerer Zeit auch von → klimawandelbedingter Mobilität. Umstritten bleibt es, Menschen, die durch den Klimawandel zur Migration gezwungen sind, als Klimaflüchtlinge zu bezeichnen, da sie keine → Flüchtlinge im Sinne der geltenden Definition der → Genfer Flüchtlingskonvention sind.
Im Fokus der Forschung über klimawandelbedingte Migration steht sowohl die Wirkung plötzlicher Extremwetterereignisse auf Migration und Mobilität (wie Wirbelstürme oder Überschwemmungen infolge von Starkregen, s. auch → Überlebensmigration) als auch schleichender Prozesse, wie z. B. Küstenerosion und Bodenversalzung infolge des Meeresspiegelanstiegs oder Ernteausfälle infolge wiederholter Dürren. Schwierig bleibt es, die Migration auslösende Wirkung von klimawandelbedingten Umweltveränderungen gegenüber anderen individuellen wie auch gesellschaftlichen Triebfedern zu gewichten; diese sind grundsätzlich eng verwoben. Umweltseitige Stressoren können aber bereits vorhandene soziale, ökonomische und politische Stressoren verstärken und damit auch einen neuen Migrationsdruck erzeugen.
Insgesamt findet klimawandelbedingte Migration bisher mehrheitlich innerstaatlich bzw. über eher kurze Distanzen (z. B. ins Nachbarland) statt und nur selten über Kontinente hinweg. Dabei erzeugt der menschengemachte Klimawandel nicht in erster Linie eine neue und klar abgrenzbare Wanderungsform, sondern er wirkt als Metafaktor insgesamt auf das Migrationsgeschehen und verändert auch bestehende Migrationsmuster, z. B. der → Arbeitsmigration. Ebenso können klimawandelbedingte Umweltveränderungen Migration nicht nur anstoßen, sondern zum Teil auch hemmen (→ trapped populations).
